In der Nacht zum Sonntag kam es in Schauenstein zu einem Großbrand, der die Einsatzkräfte über Stunden auf Trab halten sollte.
Die Bewohner bemerkten nachts ein knisterndes Geräusch. Dabei stellten sie fest, dass die benachbarte Scheune in Flammen stand. Sofort verließen sie das Wohnhaus. Nachbarn hatten in der Zwischenzeit den Brand ebenfalls bemerkt und einen Notruf abgesetzt.
Beim Eintreffen der ersten Kräfte stand die Scheune bereits in Vollbrand. Aufgrund der großen Hitzeentwicklung und engen Bebauung konnte das Feuer schnell auf die angrenzenden Gebäude übergreifen, darunter das Wohnhaus, eine weitere Holzscheune und eine Halle mit Garagen, in denen Traktoren und PKW standen.
Für die Brandbekämpfung wurden zwei Brandabschnitte gebildet. Im Abschnitt „oben“ kämpften die Feuerwehren Schauenstein, Selbitz, Almbranz und Lipperts gegen die Flammen und schützten mit einer Riegelstellung die benachbarte Wohnbebauung. Im unteren Abschnitt war die Feuerwehr Helmbrechts primär mit dem Löschangriff auf das brennenden Wohnhaus und die Scheune von der Hinterseite im Einsatz.
Die Löschwasserversorgung stand früh im Fokus. Der Löschzug Wasserförderung des Inspektionsbereichs 3, bestehend aus Fahrzeugen der Wehren Schwarzenbach am Wald, Bad Steben, Carlsgrün, Lippertsgrün und Straßdorf, wurde alarmiert, um zwei Schlauchleitungen von einem Löschwasserbehälter am Rolf-Weber-Platz zum oberen Brandabschnitt zu fördern. Der untere Brandabschnitt wurde über zwei Leitungen von einem Löschwasserbehälter am Rathaus versorgt. Hier waren die Feuerwehren Volkmannsgrün, Neudorf, Carlsgrün, Selbitz und Windischengrün im Einsatz.
Über die beiden Behälter konnte der Bedarf zwar mittelfristig gedeckt werden, im Laufe der Zeit war jedoch absehbar, dass beide nicht ausreichen würden. So entschied man sich, den unteren Abschnitt durch zwei weitere Leitungen zu versorgen, die direkt aus der Selbitz gespeist werden. Dafür wurde ein weiterer Löschzug Wasserförderung (Sparneck, Münchberg, Kleinschwarzenbach, Oberweißenbach, Wüstenselbitz/Burkersreuth) eingesetzt.
Für die weitere Versorgung des oberen Brandabschnitts musste auf Pendelverkehr zurückgegriffen werden. Vier Großtanklöschfahrzeuge aus Naila, Münchberg, Schwarzenbach/Wald und Hof fuhren im Dauerbetrieb zum Bahnhof in Selbitz, um dort aus dem Hydrantennetz Wasser aufzunehmen und nach Schauenstein zu bringen. Da bei Pendelverkehr für die unterbrechungsfreie Nutzung ein Pufferbehälter notwendig ist, wurde das Wasser einfach in den bereits genutzten oberen Löschwasserbehälter eingespeist, um dadurch dessen Pegel zu stabilisieren.
Um den Funkverkehr effektiv zu organisieren, wurde für beide Wasserförderungs-Abschnitte jeweils eine eigene Sondergruppe im Digitalfunk geschaltet. Auch der Funkverkehr von der Einsatzleitung zur Leitstelle und von der Einsatzleitung zu den Abschnittsleitern erfolgte auf eigenen Gruppen.
Die Einsatzleitung, unterstützt durch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL), Bayerisches Rotes Kreuz (UG-SAN-EL) und das Technische Hilfswerk, wurde am Schauensteiner Festplatz aufgebaut. Die Drohne der UG-ÖEL war fast dauerhaft in der Luft, um permanent ein aktuelles Bild der Lage zu haben.
Neben der Einsatzleitung wurde durch die Feuerwehren Lipperts und Hof die Atemschutz-Sammelstelle eingerichtet. Sie erfasst, welche Atemschutzgeräteträger aktuell im Einsatz sind, bereits im Einsatz waren und wieviele noch zur Verfügung stehen. Da die Arbeit unter schwerem Atemschutz sehr anstrengend ist, ist die Einsatzdauer stark begrenzt. Bei einem langwierigen Einsatz müssen sie daher regelmäßig durch frische Kräfte abgelöst werden.
Der Löschzug 1, bestehend aus Fahrzeugen aus Hallerstein, Oberkotzau, Döhlau und Schwarzenbach/Saale, wurde zur Gebietsabsicherung ans Feuerwehrhaus Selbitz alarmiert. Sie stehen dort auf Bereitschaft, um im Falle weiterer Notfälle die eigentlich örtlich zuständigen Kräfte vertreten zu können, die bereits bei dem Einsatz in Schauenstein gebunden waren.
Die Bevölkerung wurde aufgrund der starken Rauchentwicklung gewarnt, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Außerdem musste sie über mehrere Stunden ohne Strom auskommen. Da die Versorgungsleitung über das Dach des betroffenen Wohnhauses geführt wurde, musste aus Sicherheitsgründen die Stromversorgung durch den Energieversorger komplett abgeschaltet werden. Sie konnte erst im Laufe des Vormittags, nach der Trennung der betroffenen Leitungen, wiederhergestellt werden.
Durch das THW wurde der Nachschub mit Treibstoff und kalten Getränken organisiert. Die Metzgerei Günther versorgte die Einsatzkräfte mit Essen und Kaffee.
Trotz des schnellen und massiven Einsatzes wurden das Wohnhaus, zwei Scheunen und mehrere Fahrzeuge ein Raub der Flammen. Auch unter das Dach einer angebauten Halle hatte sich das Feuer ausgebreitet. Dieser Bereich war für die Trupps jedoch nicht zugänglich, wodurch sich die Löscharbeiten in die Länge zogen. Erst nachdem mit einem Bagger das Dach abgerissen wurde, konnten auch hier die Löscharbeiten abgeschlossen werden.
Nach rund zehn Stunden im Einsatz konnte der Großteil der Kräfte die Heimfahrt antreten. In Summe waren fast 400 Einsatzkräfte beteiligt.




































































