Die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Hof kamen in Helmbrechts zur diesjährigen Herbstkommandantenversammlung zusammen. Neben beachtlichen Ausbildungsbilanzen und Anpassungen bei den Aufwandsentschädigungen standen praxisnahe Einsatzkonzepte für landwirtschaftliche Anwesen, moderne Drohnentechnik, die Spezialeinheit CBRN-Erkundung sowie die Übergabe neuer Brandschutzerziehungskoffer im Mittelpunkt.
Kreisbrandrat Marco Kolbinger eröffnete die Tagung in Helmbrechts und begrüßte zahlreiche Kommandanten, Führungskräfte und Ehrengäste. In ihren Grußworten unterstrichen Landrat Dr. Oliver Bär, Helmbrechts‘ Bürgermeister Dr. Pascal Bächer sowie der Leiter der Polizeiinspektion Münchberg, Erster Polizeihauptkommissar Marco Gottesmann, die hervorragende organisationsübergreifende Zusammenarbeit aller Blaulichtorganisationen.
Landrat Dr. Oliver Bär sprach den rund 144 Feuerwehren des Landkreises seinen ausdrücklichen Dank für die Bewältigung von bereits mehr als 1.222 Einsätzen im laufenden Jahr aus. Neben der kontinuierlichen Investition in die Ausrüstung kündigte der Landrat eine Aktualisierung der überörtlichen Fahrzeugrichtlinie sowie ein stadt- und landkreisweites Hydrantenmapping im Rahmen der Initiative „Smart City“ an. Bürgermeister Dr. Pascal Bächer informierte über die Einrichtung eines städtischen Krisenstabs zur Vorsorge gegen Stromausfälle sowie über die neu geschlossene offizielle Partnerschaft der Feuerwehr Helmbrechts mit den Sapeurs-Pompiers der französischen Partnerstadt Mions.
Ein zentrales Fachthema betraf den Schutz landwirtschaftlicher Anwesen bei Großbränden. Wie Kreisbrandinspektor Jochen Bucher erläuterte, kommt es im Landkreis Hof im Schnitt zu zwei Stall- und Hofbränden pro Jahr. Diese sind oft verbunden mit komplexen Gefahrenlagen und schwieriger Tierrettung. Gleichzeitig unterliegen sie keiner Pflicht, Feuerwehrpläne zu Erstellen.
Um diese Lücke zu schließen, entwickelte die Kreisbrandinspektion ein standardisiertes Schema für vereinfachte landwirtschaftliche Feuerwehrpläne. Diese beinhalten die Kennzeichnung der Ställe, Scheunen, Stallzugänge und vordefinierten Auslauf- und Sammelbereichen für Nutztiere, Orte von Photovoltaikanlagen, Treibstofflagern und befahrbaren bzw. nicht befahrbaren Güllegruben sowie vorgeplante Aufstellflächen für Einsatzfahrzeuge und berechnete Förderstrecken für Löschwasser.
Ab Januar 2027 will die Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Feuerwehren mit der Erstellung der Feuerwehrpläne beginnen. Bucher warb dabei auch um Freiwillige, die sich daran in der Arbeitsgruppe beteiligen können.
Der neue Kreisbrandmeister für Funk, Michael Gräf, stellte sich vor und sprach über aktuelle Themen in seinem Fachbereich.
Zur Absicherung gegen eventuelle Netzausfälle oder Cyberangriffe führt der Verband derzeit eine Erfassung noch vorhandener analoger 4m-Funkgeräte als Rückfallebene durch. Zudem erinnerte Gräf an den Förderstichtag am 31. Dezember 2026 für die Umrüstung digitaler Sirenensteuerempfänger. Die eigenständigen Web-Server des Kreisfeuerwehrverbands laufen nun in einem regionalen Rechenzentrum bei noris network.
Gräf stellte außerdem die Drohnengruppe der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung vor. Mit der neu beschafften Einsatzdrohne steht der UG-ÖEL ein Hochleistungswerkzeug zur Verfügung. Ausgestattet mit Wärmebildkamera, 200-fachem Hybrid-Zoom, Laser-Entfernungsmesser und einem 6.000-Lumen-LED-Strahler liefert die Drohne bei Großbränden, Vermisstensuchen oder Gefahrguteinsätzen hochpräzise Livebilder an die Einsatzleitung. Über den optischen Zoom können Gefahrstoff-Identifikationsnummern (UN-Nummern) aus sicherer Distanz abgelesen werden. Die Drohnengruppe kann jederzeit von den Feuerwehren gezielt angefordert werden.
Für den bei der Freiwilligen Feuerwehr Köditz stationierten CBRN-Erkundungskraftwagen des Bundes wird um weiteres Fachpersonal geworben, wie Kreisbrandmeister für Gefahrgut Heiko Rödel informierte. Gesucht werden Atemschutzgeräteträger mit der Führerscheinklasse C1 oder C.
Fachbereichsleiterin Sandra Wohlrab übergab im Rahmen der Versammlung die modernisierten Brandschutzerziehungskoffer für Kindergärten und Grundschulen.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Brandschutzerziehung stellte die Versicherungskammer Bayern jedem Stadt- und Kreisfeuerwehrverband ein neues Kofferset im Wert von ca. 500 Euro zur Verfügung. Der Kreisfeuerwehrverband Hof ergänzte das Inventar zweier bestehender Koffer, sodass nun alle drei Inspektionsbereiche im Landkreis über identische Schulungskoffer verfügen. Neben überarbeiteten Lehrordnern enthalten die Sets anschauliche Experimentier- und Anschauungsmaterialien zur Sensibilisierung für Gefahren im Umgang mit Elektrizität im Haushalt. Der Verleih an die Feuerwehren erfolgt kostenlos über die jeweiligen Ansprechpartner vor Ort.
Kreisbrandmeister für Ausbildung Daniel Schaller zog eine Bilanz der überarbeiteten Modularen Truppausbildung.
Mittlerweile absolvierten über 350 Teilnehmer in 18 Lehrgängen das neue MTA-Basismodul bei einer Lehrgangsauslastung von knapp 92 Prozent. Insgesamt blickt die Ausbildungsinspektion in 2026 auf 80 Lehrgänge mit 230 Schulungstagen und über 1.100 Lehrgangsteilnehmern zurück. Der Funklehrgang und die Absturzsicherung werden künftig aus dem MTA-Grundmodul ausgegliedert und eigenständig angeboten. Dadurch verkürzt sich die Absolvierung des Grundmoduls zeitlich auf kompakte sechs Wochen.
Als deutliches Zeichen der Anerkennung beschloss die Bürgermeister-Dienstversammlung eine deutliche Anhebung der Aufwands- und Verpflegungsentschädigungen für Teilnehmer an Landkreislehrgängen ab dem 1. Januar 2027. So wird beispielsweise die Entschädigung für den Maschinistenlehrgang von bisher 25 Euro auf 75 Euro verdreifacht.
Der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Uwe Peetz hielt einen Vortrag zum Thema Versicherungsschutz der Feuerwehren. Bei Kinderfeuerwehren appellierte er daran, diese als Teil der öffentlichen Feuerwehr zu führen, um den umfassenden Schutz der Kommunalen Unfallversicherung zu sichern, der weit über den Schutz von Krankenversicherungen hinausgeht. Dieser Versicherungsschutz schließt auch Betreuungspersonal ein, das selbst nicht Mitglied der Feuerwehr.
Zum Abschluss verkündete Kreisbrandrat Marco Kolbinger den Termin für die nächste Versammlung: Die Frühjahrskommandantenversammlung findet am 21. Februar 2027 in der Frankenhalle in Naila statt.













